gürtelprüfungen


 

Gürtelprüfungen im Shotokan Karate Stade e. V. nach der Prüfungsordnung des DKV

 

Regelmäßig fallen Shotokan-Gürtelprüfungen an, mit denen das Fortschreiten der Schüler dokumentiert werden soll. Farbige Gürtel wurden ursprünglich eingeführt um insbesondere Kindern und ungeduldigen Schülern eine Motivationshilfe zu geben. Später wurden für Kinder sogar noch Zwischenprüfungen eingeführt. Der Gürtel ist aber nicht das Ziel -  der Weg ist das Ziel!

 

Die Trainer des Shotokan Karate Stade e. V. fördern und fordern ihre Schüler gewissen-haft und konsequent! Es werden individuelle Einschränkungen, aber auch Stärken berücksichtigt. Einige wenige sind so talentiert, dass sie nach kurzer Zeit alles verstehen und sofort umsetzen können. Nicht jeder hat großes Talent, Geschick oder körperliche Voraussetzungen – dafür können sich die Karateschüler durch andere Möglichkeiten, wie z. B. Trainingsfleiß auszeichnen. Regelmäßiges, konzentriertes Karatetraining ist der Schlüssel zum Erfolg! Es ist ein Unterschied, ob man einmal oder dreimal die Woche trainiert. Manchmal ist die Selbstwahrnehmung bei Prüflingen eine andere als die Fremdwahrnehmung zum Beispiel des Trainers oder schlimmer noch – des Prüfers. Ein guter Trainer ist auch immer gleichzeitig Coach seiner Schützlinge. Er wird sie sicher auf ihrem Karateweg (Karate-Do) führen bis sie erfolgreich ihr jeweiliges Zwischenziel erreicht haben. So werden Enttäuschungen und Fehlentwicklungen vermieden. Kein Prüfling möchte sich, seinen Verein oder seine Trainer blamieren. Deshalb gibt es im Karate ein ungeschriebenes Gesetz, dass man niemals eine Prüfung ohne Empfehlung seines Trainers machen sollte. Es gibt Fälle, in denen der Schüler in der Lage wäre, die Anforderungen der Prüfungsordnung zu erfüllen und dennoch rät der Trainer ab, die Prüfung zu diesem Zeitpunkt zu machen. Das hängt dann mit den unterschiedlichen Ansprüchen von Prüfling und Trainer ab. Auf der einen Seite ist es schön, einen neuen Gürtel zu haben. Auf der anderen Seite weiß der Prüfling: Auf dem Weg zum Erfolg gibt es keine Abkürzung! Warum nicht so lange warten, bis auch der Trainer keine Bedenken mehr hat? Wird diese Prüfung „vorgezogen“, muss man sich bis zur nächsten Prüfung umso länger vorbereiten... Ein Nichtbestehen von Prüfungen kann notwendig werden, um Leuten klarzumachen, dass sie sowohl mit ihren Techniken, aber oft auch mit ihrer Einstellung, ihrem Verhalten, ihrer Vorstellungswelt nicht voran kommen.

 

Das man noch nicht reif ist für die nächste Gürtelprüfung, erkennt man daran, wenn: 

- die Trainer abraten

- man die Einstellung hat "Ich kann es noch nicht so gut, aber vielleicht klappt´s ja"

- man sich vorbereitet fühlt, weil Andere noch weniger können...

- man Fehler als Individualität auslegt

- man meint, dass Wartezeit die wichtigste Voraussetzung ist

- man es vom Erfolg der Prüfung abhängig macht, ob man danach weiter trainiert...

 

 

Zum Verständnis noch einmal das Vorwort zur Prüfungsordnung vom

Deutschen Karate Verband (DKV):

 

Die Prüfungsordnung gliedert die Trainingsinhalte in der Entwicklung eines Karateka vom Anfänger bis zum Meister und die Prüfungskriterien zu den verschiedenen Schüler und Meisterprüfungen. Durch langfristiges und beständiges Training soll der Übende, gleichzeitig mit der körperlichen Ausbildung, den verantwortungsbewussten Umgang mit Partnern im Karate erlernen. Dazu dienen die Regeln und Etikette des Karate-Do, die unverzichtbarer Bestandteil des traditionellen Shotokan-Karate wie auch dieser Prüfungsordnung sind.

 

Die unterschiedlichen Übungsformen von Grundschule, Partnertraining und Kata bieten dem Karateka eine solide Ausgangsbasis für das breite Spektrum des Karate. In der Prüfungsordnung wurde aus Gründen der Übersichtlichkeit auf das Hinzufügen von weiblichen Endungen verzichtet. Entsprechende Begriffe sind nicht geschlechtsspezifisch gemeint.

 

Die Prüfungsordnung ist in vier Gruppen aufgeteilt. In jeder Gruppe werden besondere Schwerpunkte in der Ausbildung gesetzt. Es sind dies:

 

Unterstufe 9. - 7. Kyu (weiß – orange):

 

In der Unterstufe erlernt der Prüfling die Grundform der einzelnen Techniken. Den Abschluss dieser Stufe bildet der 7.Kyu, der den Übergang zur Mittelstufe vorbereiten soll. Prüfer und Prüfling achten vor allem auf sichere Stände, korrekte Techniken und Ausholbewegungen. Die aufrechte Haltung des Oberkörpers ist ein wichtiges Merkmal. Die Prüflinge zum 7. Kyu müssen bereits gute Ansätze von innerer und äußerer Spannung zeigen.

 

Im Kumite und im Kumite aus Kamae ist die kontrollierte Ausführung der Techniken und die richtige Distanz beider Partner besonders zu beachten.

 

In der Kata sind sowohl korrekte Abläufe, die beim 7. Kyu bereits Rhythmus erkennen lassen, als auch ein Verständnis der Hintergründe der Techniken in der Kata gefordert.

 

Die Selbstverteidigung ist ein natürlicher Bestandteil des Karate. Das Erlernen der Sportart soll den Karateka zur Selbstbehauptung und zur Selbstverteidigung befähigen. Dieses Lernziel muss bei der Ausbildung berücksichtigt werden, wird jedoch nicht als zu prüfender Teil in die Prüfungsordnung aufgenommen.

 

Mittelstufe 6. - 4. Kyu (grün – violett/2. blau):

 

Die Grundtechniken, die jetzt häufig in Kombinationen gezeigt werden, sollen sich von der Grundform zur Feinform entwickeln. Bei der Ausführung der Kombinationen ist wichtig, dass sich die Qualität der Einzeltechnik nicht verschlechtern darf. Besonderer Wert wird auf folgende Merkmale gelegt: Bewegungsrhythmus, bewusster Hüfteinsatz, Standfestigkeit, Atemtechnik und Kime. Im Kumite und im Kumite aus Kamae müssen sich die technischen Fertigkeiten in Bewegungsvielfalt, Kampfgeist und Kontrolle ausdrücken. Der Respekt vor der Gesundheit des Partners ist einer der Eckpfeiler des fortgeschrittenen Karateka!

 

In der Kata soll sich das fortgeschrittene Können des Prüflings sowohl im Verständnis

( BUNKAI ) als auch in der Flüssigkeit ( Rhythmus ) des Vortrages zeigen. Alle bis zu der jeweiligen Graduierung erlernten Kata gehören mit zum Prüfungsstoff.

 

Oberstufe 3. - 1. Kyu (braun):

 

Die Grundschule der Oberstufe zeichnet sich durch eine Vielzahl schwieriger Kombinationen aus. Dabei sind Qualität in den Einzeltechniken, Rhythmus in den Verbindungen, Standfestigkeit und nicht zuletzt Ausdauer zu zeigen. Sie spiegelt den Fleiß und die Intensität des Trainings wider.

 

Im Kumite wird sowohl das Jiyu-Ippon-Kumite, als auch der Freie Kampf ( Jiyu-Kumite )

geprüft. Beides stellt höchste Anforderungen an den Prüfling. Nur wer exakte Technik mit Kampfgeist und Kontrolle paart, erfüllt die hier gesetzten Anforderungen. Sieg oder Niederlage ist beim Jiyu Kumite nicht prüfungsentscheidend.

In Kata und im Bunkai muss der Prüfling ein fortgeschrittenes Verständnis des Zusam-menhangs von Kata und sinnvollen Anwendungen zeigen können. Alle bis zu der jeweiligen Graduierung erlernten Kata gehören in der Oberstufe selbstverständlich mit zum Prüfungsstoff.

 

Dan – Grade:

 

Dan sein heißt, Vorbild sein!

Bezogen auf die innere Reife, die sich auch in den Techniken ausdrückt, führt der Prüfling seine Ausbildung fort. Erlaubt der Prüfer eine Graduierung ohne diese Reife, dient dies weder dem Prüfling noch dem Karate.

In allen Prüfungsteilen muss der Prüfling eine vorbildliche Haltung und Ausführung zeigen

können, um sich als Meister gegenüber den Schülern deutlich zu unterscheiden.

Dies drückt sich auch in dem schwindenden Anteil praktischer Prüfungsteile der höheren Dan-Grade aus.

 

Die folgenden Grundsätze sind bei allen Prüfungen zu beachten:

 

KIHON:

 

Alle Keri-Techniken werden grundsätzlich (wenn nichts anderes vorgeschrieben ist) Jodan ausgeführt. Dabei sind die körperlichen und altersbedingten Gegebenheiten zu berücksichtigen und dadurch Ausführungen in einer anderen Stufe möglich.

Armtechniken werden grundsätzlich (wenn nichts anderes vorgeschrieben ist) Chudan

ausgeführt.

Techniken und Kombinationen werden, wenn nichts anderes vorgeschrieben ist, 5 x gezeigt.

Die Ausführung der Techniken richtet sich grundsätzlich nach dem Buch “KARATEDO” von M. Nakayama.

 

 

PARTNERÜBUNGEN ZUM FREIKAMPF:

 

Die Angriffe sind jeweils dreimal aus Hidari-Kamae (Ausgangsstellung linkes Bein vorne) und dreimal aus Migi-Kamae (Ausgangsstellung rechtes Bein vorne) auszuführen. Dies soll möglichst aus der Bewegung erfolgen.

Der Angreifer muss jedes Mal die Angriffstechnik und -stufe ansagen.

 

SONSTIGES:

 

Das Hinzuziehen eines Kampfrichters beim Jiyu-Kumite, darf nur ordnenden Charakter haben, die Punktevergabe steht nicht im Vordergrund.

Ausrichter und Prüfer haben für einen “würdigen” Rahmen bei der Prüfung zu sorgen (Kleidung usw.)